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Wie man Brauerei-Direktor wird

Falls Sie einen Bierbrauer zum Onkel haben sollten, dann haben Sie eine gute Voraussetzung Brauereidirektor zu werden. Rainer Hörger, einer der drei Webster-Braumeister, hatte solch einen Onkel. Geboren vor 55 Jahren im schönen Freiburg, kam er nach dem Abitur und vielen Selbstversuchen mit trinkbaren Genussmitteln darauf, das Bierbrauhandwerk zu erlernen. Sein (Wissens-)Durst trieb ihn sogar an, es zu studieren.

 Doch, doch – das geht. 
  Im bayrischen Weihenstephan, in Deutschlands berühmter Bierakademie, kann man nämlich als Getränkeingenieur graduieren und diplomieren. 

 Hier lernte Rainer nicht nur das Bierbrauen auf „höchster Ebene“, sondern auch Marc Weber und Jutta Rozanski kennen. Marc – Jahrgang 1960 und Sohn eines Luxemburger Eisenhütteningenieurs – hatte nicht nur einen Hang zum kultivierten Genuss, sondern folgerichtig auch zu Jutta, einer flippig-tatkräftigen Königtreuen aus Du-Beeck.
  Das Trio war wenig begeistert von der Idee, sich nach dem Studium bei einer der großen Brauereien zu verdingen. 

 „Eine eigene Brauerei müsste man haben“ - so begeisterten sie sich, wenn sie abends zusammenhockten und Zukunftspläne schmiedeten. Doch das musste vorerst ein Wunschtraum bleiben, denn keiner von ihnen besaß mehr als einen guten Willen und seine Begeisterungsfähigkeit. 
  Nach dem Studium ging man also notgedrungen getrennte Berufswege. Brötchen müssen erstmal verdient werden, wenn man sie essen will. Doch man hielt die Freundschaft aufrecht und traf sich, wann immer es ging, um die gemeinsamen Zukunftspläne wieder und wieder durchzurechnen. 
  Da kam die Nachricht, dass seit langen Jahrzehnten wieder Brauereien neu gegründet wurden. Natürlich waren es Kleinbetriebe – sogenannte Hausbrauereien, wie sie vor 150 Jahren gang und gäbe waren. Damals nämlich braute fast jede größere Gastwirtschaft ihr eigenes, hausgebrautes Bier.
  Und das Tollste: die neuen Hausbrauereien wurden von den Gästen akzeptiert. Das hing wohl hauptsächlich mit der Wiederentdeckung des Traditionellen und Handwerklichen zusammen. Die industriellen Großbrauereien hatten in dieser Beziehung nichts zu bieten. Die normalen Gaststätten waren sich immer ähnlicher geworden und die Wirte wurden mehr und mehr von ihrer Brauerei mit Pacht- und Mengenverträgen gegängelt. Da kam wenig Freude auf und das merkte man als Gast natürlich. 
  So richtete sich jetzt die Hoffnung unserer drei „Gerne-Chefs“ Jutta, Marc und Rainer auf eine eigene Hausbrauerei. Da man im Mathe-Unterricht nicht geschlafen hatte und auch im Beruf ständig mit Kosten- und Rentabilitätsrechnungen zu tun hatte, konnte das Finanzielle bald in harten Zahlen zu Papier gebracht werden. Doch die erforderliche Summe überstieg die flüssigen Mittel um ein x-faches. Also musste man eine Bank finden, die unserem Trio die Realisierung seines Vorhabens zutraute. Man fand sie und gründete eine Gesellschaft – die “FREDULUXBRAU-GmbH“ (der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Freiburg, Duisburg und Luxemburg zusammen – eine Referenz an die Geburtsorte der drei Webster-Braumeister). Die Räume hatte man schon vorher in Duisburg ausgeguckt: das Kolpinghaus am Dellplatz. 
 Mit Begeisterung wurde die Gaststätte zur ersten Duisburger Hausbrauerei umgebaut und am 14. Februar ´92 als „Webster“ eröffnet („Webster“ ist der studentische Spitzname von Marc gewesen). So kann man Brauereidirektor werden.   

 

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